Karl Strecker


Modellbauwerkstatt

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  • Ansprechpartner
  • E-mail k.strecker@hfk-bremen.de
  • Buero 0421 95 95 12 81
  • Werkstatt 0421 95 95 13 30

"Der frühe Vogel…..
Ab 14:00 Uhr ist die Werkstatt fast immer für den Tag ausgebucht."

Einblicke von Karl Strecker – Interview

Was begeistert dich an deiner Arbeit?

Ich finde es toll an einer Kunsthochschule zu arbeiten. Es freut mich, wenn bei den Studierenden der Wille da ist, handwerklich zu arbeiten und ich ihnen etwas beibringen kann. 

Was zeichnet deine Werkstatt aus?

In den meisten anderen Hochschulen sind die Werkstätten Professoren unterstellt. Hier an der HFK haben wir Werkstattleiter viele Freiheiten. Ich denke, daher haben und zeigen wir auch viel Engagement. Jeder ist für seine Werkstatt verantwortlich und teilt sich seine Arbeit ein — das ist ein sehr angenehmes arbeiten. Ich könnte mir nicht vorstellen, meine Arbeit mit so viel Spaß auszuführen, wenn mir jemand vorgibt, was ich zu tun habe.

Mit den Professoren können wir uns immer absprechen, es ist eine freundliche und angenehme Zusammenarbeit, wenn gemeinsam Kurse erarbeitet werden.

Warum arbeitest du an der HFK?

Meine Vorgängerin an der HFK war in der Firma, in der ich gearbeitet habe, Auszubildende. Zu der Zeit habe ich Industriedesign studiert. Sie hat nach der Ausbildung auch Design studiert und kam so an die HFK als Werkstattleiterin. Nachdem sie sich woanders beworben hatte, hat sie mir die HFK empfohlen — ich fand das eine interessante Aufgabe und so nahmen die Dinge ihren Lauf…

Erst eine Lehre als Tischler, danach Studium Industriedesign. Neben dem Studium habe ich viel im Handwerk gearbeitet. War dann in einer kleinen Tischlerei, die für viele Designer in Düsseldorf gebaut hat. Das war für mich wie eine zweite Lehre, weil ungewöhnliche Entwürfe mit hohem handwerklichen Anspruch umgesetzt und gebaut wurden.

Bietest du Kurse in deiner Werkstatt an?

Ein gutes Beispiel ist der „Hockerkurs“ der Erstsemester. Der Lehrende Prof. Andreas Kramer bietet den 14-tägigen „Hockerkurs“ in Zusammenarbeit mit meiner Werkstatt an. Hier geht es zuerst einmal darum, dass die Studierenden das Konstruktionsprogramm lernen um damit ihre Hocker zu entwerfen. In der zweiten Hälfte des Kurses werden die Hocker dann in der Werkstatt hergestellt. In dieser Woche werden ca. 15 Hocker gebaut. Dieser Kurs funktioniert nur reibungslos, weil die Studierende eine technische Zeichnung erstellen müssen. Das ist für die Studierenden ein guter Lernprozess um zu sehen, dass es auf eine gute Planung ankommt und vorab klar wird, welche Maße geplant und umgesetzt werden müssen. So weiß ich sofort, was die Studierenden vorhaben und kann sie besser unterstützen.

Wie ist deine Werkstatt ausgestattet?

Abgesehen von den gängigen Tischlereimaschinen wie Sägen, Hobel, Holzfräse und Langlochbohrmaschine gibt es eine Dreh- und eine Drechselbank, eine Tiefziehmaschine um Kunststoffplatte zu verformen, und wir sind auch mit einer Vakuumgießanlage ausgestattet um Kunststoffgüsse herzustellen. Bei mir kann Holz, Kunststoff, und Metall verarbeitet werden.

Wie gehen die Studierenden mit den Maschinen um?

An der HFK bekommen die Erstsemester eine eintägige Einweisung in die Werkstätten, speziell bei mir, mit dem Umgang der Maschinen. Plattensäge, Bandsäge, Standbohrmaschine, Schleifmaschinen… an diesen Maschinen können sie dann selbstständig, mit meiner Genehmigung, arbeiten und diese nutzen. Meistens ist es jedoch so, dass es am Anfang sehr viel Information ist, die man sich kaum ohne konkrete Umsetzung merken kann. Daher ist es mir am liebsten, wenn die Studierenden sich an die Maschinen trauen und öfter in die Werkstatt kommen. Ich gebe gerne immer wieder eine Einweisung, wenn Studierende noch unsicher sind. Je öfter die Studierenden in die Werkstatt kommen, umso sicherer werden sie im Umgang mit den Menschen und können selbstständiger arbeiten. 

Gibt es ein besonderes Projekt in deiner Laufbahn an das du dich erinnerst?

Es wurde einmal von Studierenden aus Formholz ein Tischkicker gebaut. Das war besonders, weil die Studierenden sehr viel Zeit investiert haben, um den Kicker in dieser Technik umzusetzen. Das Projekt wurde von einer Firma begleitet. Das Problem hierbei war auch, dass selbst die Firma einen Prototypenbau immer als problematisch und große Herausforderung sieht.  Wir mussten sehr viel ausprobieren, um herauszufinden, wie man diesen speziellen Kicker bauen kann. Die Studierenden haben ca. 6 Wochen alleine nur ausprobiert, in welchem Winkel das Furnier laufen muss, damit es um eine enge Rundung gebogen werden kann, ohne dass es bricht. Das hat mich fasziniert, weil die Studierenden fleißig dabei waren und viel Ehrgeiz entwickelt haben, den Tischkicker am Ende so hinzubekommen, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Was passiert in der Vorlesungsfreien Zeit?

In der Zeit werden von Studierenden Projekte fertiggestellt oder es werden viele Arbeiten für die Abschlussphase hergestellt. Die Werkstatt ist eigentlich nie leer. 

Gibt es etwas was du Studierenden empfehlen würdest? Was lernen die Studierenden in deiner Werkstatt, durch deine Arbeitsweise?

Ich finde es sehr wichtig, dass Studierende bereits in ihrem Studium lernen, dass ein Entwurf und dessen Umsetzung zwei unterschiedliche Dinge sind. Im Berufsleben müssen sie Handwerkern oft erklären, was sie umgesetzt haben wollen. Daher ist es wichtig, dass sie früh lernen und wissen, wie das Projekt technisch hergestellt werden kann, um eine reibungslose Produktion zu ermöglichen.
Wenn Studenten zu Beginn des Studiums ein Projekt planen, stelle ich immer wieder fest, dass oft viele Fehler durch schlechte Vorbereitung und Planung gemacht werden. Das frustriert die meisten, und diese Frustration zieht sich durch das ganze Semester. Die höheren Semester haben aus alten Fehlern gelernt. Die Studierenden verbringen dann mehr Zeit in der Planungsphase, durchdenken die Dinge und probieren aus, bevor es an die eigentliche Umsetzung in der Werkstatt geht. So bleibt auch die Freude an der Arbeit bestehen, und sie kommen besser und vor allem schneller zum Ziel. Daher würde ich empfehlen, vorab gut zu planen, mir viele Fragen zu stellen und viel auszuprobieren, bevor das eigentliche Projekt umgesetzt werden soll.

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Modellbauwerkstatt

Die Modellbauwerkstatt verfügt über Holz-, Kunststoff- und Metallverarbeitungsmaschinen. Die Studierenden aus den Studiengängen Design, Freie Kunst und Digitale Medien können in der Werkstatt ihre Entwürfe und Projekte in die Realität umsetzen und ihre Modelle oder Prototypen bauen. Die Werkstatt teilt sich in folgende 4 Räume auf: Maschinenraum 1 — bestehend aus 14 stationären Maschinen und Kleinmaschinen. Einen Bankraum — der mit 10 Arbeitsplätzen, Montageflächen, Handwerkzeug und Handmaschinen sowie Maschinenraum 2 — der mit 5 stationären Kleinmaschinen ausgestattet ist. Zusätzlich gibt es eine Lackierkabine, in der die Verarbeitung von lösungsmittelhaltigen Stoffen durch den Einsatz einer Absauganlage und einer heizbaren Frischluftzufuhr möglich ist.

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit allen Werkstätten der HFK. Arbeiten, die in verschiedenen Werkstätten gefertigt werden, stimmen die Studierenden und die Werkstattleiter/innen miteinander ab. Eine besondere Kooperation besteht im Bereich des digitalen Modellbaus mit der 3-D Werkstatt, da viele Details, wie Konstruktion, Material oder Montage, im Vorfeld geklärt werden müssen. Für die Materialbeschaffung, die im Bereich des Modellbaus sehr vielschichtig ist, bestehen zahlreiche Kontakte zu Fachfirmen.

Vita
Ausbildung zum Tischler, Fachabitur, Studium Dipl. Designer. Während und nach dem Studium Tätigkeit in Tischlereien, zuletzt Prototypen, Designmöbel, Modell- und Messebau. Ab 1993 selbstständig, Entwurf und Fertigung von Möbeln und Messeständen. 2002 Eintritt in die HFK.

Die Werkstatt in Zahlen

  • 25.000

    Meter Kreissägenschnitte im Jahr

  • 900 m²

    Holzplatten pro Semester

  • 35 kg

    Leim pro Jahr

  • 8 m³

    Massivholz pro Jahr

  • 30 m³

    Holzspäne pro Semester